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Nachhaltig wohnen, aber wie?

novatlantis Impulsforum 2018 Zürich
Nachhaltig wohnen nach Martin Hofer

novatlantis Impulsreferate 2018, im Bistro Restaurant Spitz, Landesmuseum Zürich am 27.8.2018. Referent: Martin Hofer

Nachhaltig Wohnen: Anlässlich des diesjährigen, erstmals im neuen Format stattgefundenen Novatlantis Impulsforum in Zürich, wurden spannende Impulsreferate gehalten. Über den Beitrag von Martin Hofer berichten wir hier aus erster Hand.

Wohnen soll nachhaltig sein – für alle

Impulsreferat von Martin Hofer

Martin Hofer wurde einst von der renommierten Architekturzeitung der Schweiz dem „Hochparterre“, als Querdenker, Netzwerker und Immobilienflüsterer bezeichnet. Bis vor kurzem war der letzte Gründungspartner von Wüest & Partner noch als Führungsperson tätig. Seine „Wohninnovationen“ haben die Bauentwicklung von Zürich die letzten zwanzig Jahre geprägt: Balance in Wallisellen, Zwicky Süd in Dübendorf, Min Max in Opfikon um nur wenige zu nennen. In seinem Impulsreferat erklärt er Aspekte der sozialen Nachhaltigkeit, mit welchem er Erfahrung hat und über welchen er kompetent sprechen kann, so wie er sagt. Laut Martin Hofer bedeutet nachhaltig wohnen eine hohe Sesshaftigkeit der Bewohnenden und umgekehrt.
Die Grundbedürfnisse der Menschen sind seit Millionen von Jahren im Grundsatz unverändert geblieben, meint der Ethnologe und Architekt: Schutz vor Umwelteinflüssen, Sicherheit, Rückzugspunkte, Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung. Er erachtet Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung als ein wesentliches Merkmal für Zufriedenheit und Sesshaftigkeit in der heutigen Zeit – oder eben Nachhaltigkeit auf der sozialen Ebene. Wir leben in einer Dreiklassen-Gesellschaft, so Hofer.

Einfamilienhausbesitzer – die „Königsklasse“

Rund ein Viertel der Haushalte in der Schweiz sind Einfamilienhäuser. Die meisten träumen von den eigenen vier Wänden. Die Hausbesitzer haben Bestimmungsrecht sowohl über das Äussere als auch das Innere des Gebäudes, mindestens indirekt über die Wahl des Architekten. In der Schweiz ist dies bei über eine Million Einfamilienhäusern der Fall. Hausbesitzer bleiben oft Jahrzehnte und haben statistisch die längste Sesshaftigkeit.

Stockwerkeigentümer – die „Mittelklasse“

Das Stockwerkseigentum ist seit den 60er stark in Mode gekommen. Unterdessen sind etwa ein Viertel aller Schweizer Wohnungen im Stockwerkeigentum. Bei der äusseren Gebäudegestaltung besteht in der Regel keine Gestaltungsfreiheit. Jedoch ist der Innenausbau vom Nutzer frei wählbar, meint Martin Hofer. Ein Mittelweg also, der etwas Selbstverwirklichung erlaubt.

Mieter – das „Fussvolk“

Als „Fussvolk“ bezeichnet Martin Hofer die dritte Gruppe – die Mieter. Diese haben seiner Ansicht nach keine Rechte und müssen Miete bezahlen. Rund die Hälfte aller Wohneinheiten der Schweiz sind Mietwohnungen. Mieter können weder das Aussenbild noch das Innenleben der Wohnung beeinflussen und müssen sich mit dem angetroffenen Ausbau abfinden. Häufig dürfen diese gar nichts verändern. In manchen Siedlungen darf nicht mal ein Nagel in die Wand eingeschlagen werden.

Nachhaltig wohnen: novatlantis Impulsforum 2018 Zürich

novatlantis Impulsreferate 2018, im Bistro Restaurant Spitz, Landesmuseum Zürich am 27.8.2018. Referent: Martin Hofer

Lösungsansatz nach Hofer

Wohnungen im Rohbau ohne Innenausbau erstellen. Versorgungsleitungen werden vom Investor nur bis zur Wohnung erstellt. Die Mieter investieren etwa einen Viertel der Bausumme mit einer Hypothek und Eigenkapital und bauen nach ihren Wünschen und Ansprüchen aus. Die Investition wird über zehn Jahre abgeschrieben und kommt unter dem Strich dem Mieter nicht teurer als im reinen Mietermodell. Bedingung ist allerdings, dass die Mieter mindestens zehn Jahre bleiben. Dieses Modell ist heute im Wohngebäude kaum anzutreffen. Im Gewerbebau allerdings ist dies der übliche Ansatz. Martin Hofer hat dieses Modell in einem Projekt in der Stadt Zürich in der Praxis umgesetzt und Erfahrungen gesammelt. Er wünscht sich, dass ein Teil der heute auf den Markt geworfenen Mietwohnungen im Rohbau erstellt werden um dem Mieter mehr Gestaltungsfreiraum zu geben. Er ist überzeugt, dass damit einen Beitrag zur gesellschaftlichen Nachhaltigkeit leistbar wäre.

Gedanken des Autors

Gesellschaftliche Nachhaltigkeit geht natürlich weiter als Individualität, Gestaltungsfreiheit und Selbstverwirklichung. Dies sind die obersten Bedürfnisse nach der bekannten Maslow-Pyramide. Was jedoch vorher erfüllt sein müssen, sind Sicherheit und Sozialbedürfnisse. Das soziale Umfeld und die Möglichkeiten für Interaktionen, Begegnungen und Engagement kommen vor der Selbstverwirklichung und gehören ebenfalls zur sozialen Nachhaltigkeit. Bewertungssysteme wie SNBS oder SGNI haben die Aspekte der Wohngestaltungsfreiheit noch nicht aufgenommen. Von Elvira Bieri, welche die SGS als Zertifizierungsorganisation das SNBS Label vertritt, wurde allerdings angekündigt, dass man sich darüber ernsthaft Gedanken machen wird.

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